Äusseres Barrhorn – Zweitageswanderung im Turtmanntal
Wanderbericht
Gipfel: Äusseres Barrhorn, 3'610 m ü. M.
Ausgangspunkt: Parkplatz „Vorder Sänntum“, 1'902 m ü. M.
Übernachtung: Turtmannhütte, 2'519 m ü. M.
Distanz gesamt: ca. 20,5 km
Aufstieg: ca. 1'800 hm
Abstieg: ca. 1'800 hm
Dauer: 2 Tage
Region: Turtmanntal, Wallis
Das Äussere Barrhorn im Turtmanntal ist mit seinen 3'610 Metern ein beeindruckender Gipfel und gleichzeitig ein lohnendes Ziel für eine anspruchsvolle Bergwanderung. Die Tour führt von der Talsohle über die Turtmannhütte bis weit hinauf ins hochalpine Gelände. Trittsicherheit, Kondition und Erfahrung im alpinen Gelände sind dabei wichtige Voraussetzungen.
Tag 1 – Durch das Turtmanntal zur Turtmannhütte
Nach der Anreise mit dem öffentlichen Verkehr und dem Auto erreichen wir den Parkplatz. „Vorder Sänntum“ auf 1'902 m ü. M. Das Wetter zeigt sich von seiner besten Seite. Strahlender Sonnenschein und für Anfang September ungewöhnlich warme Temperaturen erwarten uns. Selbst auf rund 2'000 Metern liegen die Temperaturen deutlich über 20 °C.
Gegen 14:15 Uhr brechen wir in Richtung Turtmannhütte auf. Der erste Teil der Route führt über einen angenehm zu begehenden Forstweg. Perfekte Bedingungen also, um sich nach der Anreise gemütlich einzulaufen, sich kennenzulernen und den Rhythmus für die kommenden zwei Tage zu finden. Am Turtmann-Stausee auf 2176m ü.M. bekommen wir den ersten Blick auf unser Ziel für den kommenden Tag: das Äussere Barrhorn. Der Gipfel liegt noch weit über uns und vermittelt bereits einen Eindruck davon, was am nächsten Morgen auf uns wartet. Ab hier wird der Weg schmaler und wir folgen dem Bergwanderweg entlang der Talstation der Transportbahn. Über den sogenannten „Steinmännliweg“ gewinnen wir weiter an Höhe, bis wir schliesslich die Turtmannhütte auf 2'519 m ü. M. erreichen. Gegen 16:45 Uhr treffen wir bei der Hütte ein.
Nach dem Check-in werden die Schlafplätze bezogen und wir können uns etwas entspannen. Die Hütte ist an diesem Abend ziemlich gut besucht. Um 18:30 Uhr gibt es ein reichhaltiges Abendessen mit Suppe, Salat, Hauptgang und Dessert – genau das Richtige zur Vorbereitung für den nächsten Tag. Anschliessend besprechen wir gemeinsam die morgige Etappe und gehen insbesondere die zu erwartenden Schlüsselstellen durch. Danach bleibt noch Zeit, gemütlich zusammenzusitzen, zu quatschen und die Erlebnisse des Tages auszutauschen. Die Vorfreude auf den morgigen Gipfeltag wächst.
In der Nacht frischt der Wind deutlich auf. Starke Böen ziehen über die Hütte und sorgen dafür, dass die Nachtruhe etwas unruhiger ausfällt. Abzuwarten, wie sich das Wetter entwickelt.
Tag 2 – Aufstieg zum Äusseren Barrhorn
Der Wecker klingelt um 05:30 Uhr. Nach dem Frühstück stehen die letzten Vorbereitungen für die lange Tagesetappe an. Um 06:45 Uhr brechen wir auf.
Bereits zu Beginn wartet eine der Schlüsselstellen der Tour auf uns: Ein Couloir mit einer anschliessenden Passage, die durch ein Stahlseil-Geländer gesichert ist. Konzentriert und vorsichtig bewältigen wir diesen Abschnitt. Danach verändert sich die Landschaft zunehmend. Die Vegetation wird spärlicher und die Umgebung immer alpiner.
Ein grosser Teil des weiteren Weges führt durch eine Landschaft, die stark von den vergangenen Eiszeiten geprägt wurde. Wir bewegen uns immer wieder über Seitenmoränen ehemaliger Gletscher und durch Gelände, das uns eindrücklich vor Augen führt, wie stark die heutigen Landschaftsformen durch die längst verschwundenen Gletscher geprägt wurden.
Während wir weiter an Höhe gewinnen, verändert sich auch das Wetter. Der starke Wind, der bereits während der Nacht aufgekommen ist, hält an. Trotz des sonnigen Starts ziehen immer mehr Wolken auf und der Wind nimmt weiter zu. Ab etwa 3'000 Metern wird das Tempo deutlich langsamer. Die dünnere Luft macht sich bemerkbar und jeder zusätzliche Höhenmeter wird spürbarer. Wir steigen kontinuierlich weiter. Gleichzeitig wird der Wind immer stärker und kühlt uns zunehmend aus. Der Weg wird steiler und anspruchsvoller, doch die Gruppe meistert die schwieriger werdenden Passagen sicher und konzentriert. Auf knapp 3'500 Metern erreichen wir einen etwas windgeschützten Bereich. Hier nutzen wir die Gelegenheit, uns kurz zu sammeln und auf den letzten, sehr steilen Aufschwung vorzubereiten. Der Wind pfeift inzwischen kräftig um unsere Ohren und nach einer kurzen Besprechung geht es weiter.
Gegen 10:15 Uhr ist es geschafft! Wir erreichen den Gipfel des Äusseren Barrhorn auf 3’610m.
Für einen Moment halten wir inne, staunen, geniessen die Aussicht und lassen die Eindrücke auf uns wirken. Natürlich dürfen auch die Gipfelfotos nicht fehlen. Allerdings macht uns der Wind schnell klar, dass heute kein langer Gipfelaufenthalt angesagt ist. Die Böen sind inzwischen beinahe stürmisch und fordern nicht nur unsere Konzentration, sondern auch einiges an Energie.
Nach einer kurzen Gipfelpause beginnen wir deshalb wieder mit dem Abstieg. Konzentriert und stetig steigen wir wieder ab. Gerade auf den steileren Abschnitten bleibt die Aufmerksamkeit hoch. Mit zunehmender Tiefe wird die Luft wieder angenehmer und auch der Wind verliert etwas an Einfluss. Auf rund 3'000 Metern finden wir schliesslich eine geschützte Mulde. Hier können wir dem Wind entkommen und entscheiden uns für eine ausgiebige Mittagspause.
Kurz nach Mittag geht es weiter. Die Bedingungen werden nun zunehmend angenehmer. Immer wieder zeigt sich kurz die Sonne und wärmt uns nach dem kalten Gipfelerlebnis wieder auf. Während des weiteren Abstiegs bleibt immer wieder Zeit für kurze Pausen. Wir nutzen die Gelegenheit, die beeindruckende alpine Landschaft nochmals bewusst wahrzunehmen. Nach dem anstrengenden Gipfelaufstieg ist nun etwas mehr Ruhe eingekehrt und der Blick geht immer wieder zurück auf die hochalpine Umgebung, durch die wir wenige Stunden zuvor noch unterwegs waren. Schliesslich erreichen wir erneut die Schlüsselstelle vom Morgen. Auch der Abstieg durch diesen Abschnitt wird konzentriert und sicher bewältigt. An der Turtmannhütte legen wir nochmals eine kurze Pause ein, bevor wir die letzten Abstiegs-Meter unserer zweitägigen Tour in Angriff nehmen. Von dort geht es über den Sommerweg weiter talwärts und gegen 15:45 Uhr erreichen wir schliesslich wieder unseren Ausgangspunkt bei Vorder Sänntum.
Hinter uns liegen alleine vom heutigen zweiten Tag der Tour rund 14,1 Kilometer, etwa 1'200 Höhenmeter im Aufstieg und rund 1'800 Höhenmeter im Abstieg.
Die zweitägige Tour zum Äusseren Barrhorn war eine abwechslungsreiche und eindrückliche Bergtour. Besonders beeindruckend war die stetige Veränderung der Landschaft: Vom warmen, grünen Turtmanntal über die Turtmannhütte bis hinauf in die karge hochalpine Welt. Die zahlreichen Spuren der vergangenen Vergletscherung und die Wege über die alten Seitenmoränen machten den Aufstieg zusätzlich interessant. Das eigentliche Gipfelerlebnis auf 3'610 Metern war trotz der schwierigen Bedingungen ein besonderer Moment. Der starke, teilweise beinahe stürmische Wind stellte dabei eine grosse Herausforderung dar und verlangte gerade auf den letzten Höhenmetern viel Konzentration. Auch die Schlüsselstelle mit Couloir und Stahlseilsicherung forderte unsere Aufmerksamkeit. Umso schöner war es, dass die gesamte Gruppe die anspruchsvolleren Passagen sicher, konzentriert und mit einer tollen Stimmung gemeistert hat.
Am Ende bleibt vor allem die Erinnerung an eine tolle Gruppe, eine beeindruckende Landschaft und einen Gipfeltag, der uns mit Sicherheit noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Tourenleiter
Matthias Graeff