Wie die Namen auf die Wegweiser kommen

Orte, Pässe, Seen, Gipfel, Alpen – die Ziele einer Wanderung haben stets einen Namen. Woher sie stammen und nach welchen Regeln sie auf die Wanderwegschilder finden, zeigt ein Exkurs in die Welt der Landestopografie und der Signalisation.

Daniel Fleuti

Der Name dieses hübschen Sees sorgt für viel Furore. Foto: natur-welten.ch

Ein einziger Buchstabe kann manchmal für Verwirrung sorgen. Im Urner Maderanertal liegt Golzern, eine hübsche und bei Wanderern beliebte Sonnenterrasse. Die Luftseilbahn Golzern bringt einen hin, auf einem Wanderweg gelangt man zum malerischen Golzernsee, einkehren tut man in den Berggasthäusern Golzernsee oder Edelweiss Golzern. Nur etwas passt seit Kurzem nicht mehr ins Ensemble: die neuen Wanderwegschilder. Golzeren verkünden sie, und Golzerensee. Das sorgt für Unmut. Für die Einheimischen heisst die Sonnenterrasse Golzern, der See Golzernsee – ohne e zwischen r und n also. Das war schon immer so, zumindest im Volksmund.

Woher die unterschiedliche Schreibweise?

Anfangs der 2000er-Jahre änderte der Kanton Uri im Rahmen der amtlichen Namensnachführung die offizielle Bezeichnung der Maderanertaler Sonnenterrasse von Golzern nach Golzeren. Wenig später machte er sich daran, die Wanderwege im Kanton neu zu signalisieren. Geschaffen wurde eine einheitliche Beschilderung nach Vorgaben der Schweizer Norm SN 640 829a, Signalisation Langsamverkehr. Sie besagt, dass sich die Namen auf den Wanderwegschildern nach der aktuellen Landeskarte im Massstab 1:25 000 richten – und dort steht die offizielle Schreibweise «Golzeren» und «Golzerensee». 

Schriftsprache, nicht Mundart

«Geografische Namen sind etwas Lebendiges, sie verändern sich im Laufe der Zeit», erklärt Andreas Wipf von den Schweizer Wanderwegen. Zuständig für deren Festsetzung sind die Kantone; sie dienen als Basis der amtlichen Vermessung, werden regelmässig nachgeführt und sind verbindlich. Die Vorgaben für die Namensgebung liefert der Bund. Diese besagen, dass geografische Namen allgemein akzeptiert und einfach schreib- und lesbar sein sollen, und zwar von allen Personen, nicht nur von den Einheimischen. Die Schriftsprache wird gegenüber der Mundart favorisiert. Mit Letzterem machte der Kanton Thurgau vor Jahren schmerzliche Erfahrung. Erst benannte er im grossen Stil Flurnamen von der Schriftsprache in die örtliche Mundart um. Nach einem Sturm der Entrüstung wurde die Aktion rückgängig gemacht, die Ausdrücke waren schlicht nicht mehr verständlich.

Von den Kantonen gelangen die geografischen Namen ans Bundesamt für Landestopografie Swisstopo und dort ins sogenannte Topografische Landschaftsmodell, kurz TLM. Das TLM ist eine Art Rohdatenbank. Es enthält alle Informationen, um die Landeskarten der Schweiz in den verschiedenen Massstäben herzustellen und zu überarbeiten. Bislang wurde das Schweizer Kartenwerk im Sechsjahreszyklus aktualisiert und neu herausgegeben. Die Wanderkarten im 50 000er- Massstab waren so jeweils um bis zu zwei Jahre aktueller als die Blätter im Massstab 1:25 000, weil Letztere aufwendiger sind in der Gestaltung. Das erklärt die teilweise unterschiedlichen Inhalte.

Schilder halten länger als Karten

Andreas Wipf ist verantwortlich fürs Geoinformationssystem bei den Schweizer Wanderwegen. Foto: natur-welten.ch

Bald ist dies Vergangenheit: Swisstopo stellt die Kartenproduktion auf ein neues System um. Der Massstab 1:25 000 und die Wanderkarten sollten neu etwa zeitgleich erscheinen. Zudem erhalten sämtliche Karten eine frische und moderne Gestaltung. Die Publikation der neuen Wanderkarten läuft im Frühling 2018 an. Natürlich werden die Wanderwegweiser nicht im gleichen Rhythmus aktualisiert wie die Karten. «Neue Schilder werden angebracht, wenn Wegverläufe ändern, Schilder defekt sind oder wenn in einem Kanton das Wanderwegnetz überarbeitet wird», sagt Andreas Wipf. Durchschnittlich halten die Schilder 20 bis 25 Jahre, also etwa vier Kartenzyklen. Das heisst: die Namen auf dem  Wanderwegschild und der Karte können sich durchaus unterscheiden.

Mal mit, mal ohne Wanderzeit

Wohin des Weges? Die Beschilderung der Wanderwege erfolgt systematisch. Foto: Schweizer Wanderwege

Bleibt die Frage, welche geografischen Bezeichnungen auf die gelben Schilder am Wegrand kommen. Auch dies ist exakt festgelegt. Das Schweizer Wanderwegnetz besteht aus lauter Routen mit je einem Ausgangs- und Endpunkt. Der Start markiert in der Regel eine Haltestelle des öffentlichen Verkehrs, Ziele können Ortschaften oder Sehenswürdigkeiten, wie Gipfel, Seen oder Alpen, sein. Am Ausgangspunkt der Route steht deshalb immer deren Ziel auf dem Wanderwegschild, und zwar samt Zeitangabe. Unterwegs haben die Routen einiges zu bieten: einen Aussichtspunkt, ein Gasthaus oder einen Pass etwa. Dies sind Zwischenziele. Auch sie kommen mit Zeitangabe auf das Schild am Ausgangspunkt der Tour. Allerdings finden maximal drei von ihnen Platz, also wird eine Auswahl getroffen. Das auf dem Wegweiser zuoberst genannte Zwischenziel ist das am nächsten gelegene, auf den Plätzen zwei und drei folgen weiter entfernte. Die vierte und letzte Position gehört dem Ziel der ganzen Route. Ein rechteckiges, weisses Schild, das den Namen und die Höhe des Standorts benennt, rundet den Wanderwegweiser ab. Jetzt kann die Tour beginnen.

Unterwegs folgt die Beschilderung einem einfachen System. Kreuzt der Weg eine Strasse oder führt durch das Gassengewirr eines Ortes, wird nur die Laufrichtung mit Zwischenmarkierungen angegeben. Verzweigen sich Wanderwege, wiederholen die gelben Schilder die Zwischenziele und das Routenziel. Fällt die Verzweigung mit einem Zwischenziel zusammen, wird auch die Wanderzeit genannt. Ansonsten muss man sich bis zum nächsten Zwischenziel gedulden. Ist dieses erreicht, weist wiederum ein rechteckiges, weisses Schild auf den Namen und die Höhe des Standortes hin. Auf dem gelben Wanderwegschild ist jetzt Platz für ein neues Zwischenziel, sofern es eines gibt. Die Tour geht weiter.

Reportage aus dem Magazin WANDERN.CH 4/2017

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